| 1953-12-04 - Hexerei der Grundrente |
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Im Faden der Zeit [121]II. Hexerei der GrundrenteAckerbau ohne GeldDie kapitalistische Produktionsweise, ihre Epoche, definiert sich nicht nur dadurch, dass das Produkt nicht mehr dem Arbeiter gehört und die massenhaft zusammengebrachten und nicht mehr vereinzelten Arbeiter Manufakturprodukte herstellen. Den Kapitalismus kennzeichnet auch, den Bodenerzeugnissen - auch wenn die Produkte in Händen des Produzenten bleiben, wie bei der kleinbäuerlichen Bewirtschaftung - als auch dem Boden selbst Warencharakter zu verleihen.
Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Manufaktur historisch nie ohne Markt und ohne Geld existiert hat, auch nicht, bevor die Arbeit des kleinen Handwerkers durch die Großproduktion verdrängt wurde. Jedenfalls muss es schon einen Austausch geben, wo ein Mensch nur eine einzige Tätigkeit verrichtet, sagen wir, immer nur Schuhe oder Hacken fertigt: er wird sie gegen Nahrungsmittel tauschen müssen.
Tatsächlich sind Tauschhandel1, Austausch, Markt und Geld erst aufgetreten, als die Differenzierung der Produktionstechnik einerseits, die Skala der Bedürfnisse und des Bedarfs andererseits der planmäßigen Herstellung von Manufakturprodukten eine größere Bedeutung verliehen. Schon vor den Großbetrieben der kapitalistischen Unternehmer hat es Waren gegeben: So produzierten die Sklaven des klassischen Altertums Waren und ihre Herren verkauften sie; die freien Handwerker des Mittelalters setzten ihre Erzeugnisse selbst ab.
Wenn wir bis auf die urkommunistische Gens zurückgehen, die den Boden gemeinschaftlich bebaute und kein persönliches Anrecht an Nahrungsmitteln kannte, stoßen wir auf nur wenige Mitglieder dieses Gemeinwesens, deren Händen eine handwerkliche Arbeit oblag, aber sie wurden mit Produkten aus dem gemeinschaftlichen Fonds versorgt, und so erzeugten sie die Hacke, die, wenn es nötig wurde, die verbrauchte ersetzte, ohne dass je ein individuelles Eigentumsrecht an ihr bestanden hätte - weder auf Seiten des Herstellers noch des Benutzers.
Doch sobald das Privateigentum - am Boden wie am Menschen selbst - auftritt, vollzieht sich die landwirtschaftliche Produktion (einschließlich der Haustierzucht) in mannigfaltigen und verallgemeinerten Formen, ohne das Dazwischentreten der Warenform und des Warenaustausches.
In der kleinbäuerlichen Familienwirtschaft auf einem nunmehr abgegrenzten Feld arbeiteten alle arbeitsfähigen Mitglieder, und die in bestimmten Zyklen angehäuften Agrarprodukte wurden von allen verzehrt. Eine solche Ökonomie lebte, wir haben es schon oft gesagt, wie auf einer Insel in völliger Selbstgenügsamkeit. Ökonomisch gesehen trat weder Reichtum oder Wert herein, noch kam welcher heraus; physisch gesehen kam kein Arbeitsprodukt aus diesem geschlossenen Kreis heraus, während lediglich die Wärmeenergie der Sonnenstrahlung eintrat, die sich sowohl in chemische Bodenprozesse als auch in tierische und menschliche Muskelkraft umwandeln kann, ja sogar in jenes gemeinschaftlich organisierte Wissen, das die Sakristeien der Kultur „Denken" nennen und das sie als Gabe des ICH bezeichnen - während es in Wirklichkeit das einzige Werkzeug ist, das als solches zu nichts nütze ist, oder höchstens ein bisschen Dünger hergibt, was sich aber wegen seiner, wie es heißt, „geistigen" Natur verbiete.
Nehmen wir an, auf unserer Insel bzw. in diesem sich selbst genügendem Kreis bestehe ein permanentes Gleichgewicht, ein „stationärer Zustand", zwischen der Anzahl der Menschen (die sehr intelligente kommunistische Gens zeugte nicht aufs Geratewohl, je nach unmittelbarer Lust des Subjekts), der Anzahl der Tiere und der Bodenfläche, ohne dass dessen Fruchtbarkeit erschöpft wird. Dann sind Soll und Haben des Bodens, seine biochemischen Zyklen, im vollkommenen Gleichgewicht: der Boden hat der Gemeinschaft der Lebenden nichts geschenkt. Die gesamte, in ihren sukzessiven Formen aufgenommene Energie wird in einem Stadium des Zyklus die Form der menschlichen Muskelkraft annehmen müssen, oder eigentlich der organischen Kraft: denn auch das Gehirn ist ein Organ.
Bis auf diesen weit zurückliegenden Fall und abgesehen vom Verzehr naturwüchsiger Produkte, womit, wie wir gesehen haben, Lenin abrechnete (inzwischen weiß jeder, dass sich die blumengeschmückten Eingeborenen von den „Inseln des Glücks und der Muße" von ein oder zwei Archipelen des Stillen Ozeans nunmehr gegen klingende Münze beim amerikanischen Film verdingen), kann die Polemik jetzt eröffnet werden: Werden die Werte (für den Moment nur die Gebrauchswerte und nicht die Tauschwerte) von der Erde oder von der Arbeit erzeugt? NaturalwirtschaftenIn Produktionsformen ohne Tausch auf dem Markt, jedoch auf Basis des schon entstandenen Eigentums, kann es bereits Mehrwert geben. Mit dem verkürzten Ausdruck „Naturalwirtschaft" bezeichnen wir eine Ökonomie, die weder Austausch noch Geld kennt, sondern nur die Zirkulation stofflicher Produkte, was nicht heißt, dass die Teilung der Gesellschaftsmitglieder in Arbeitende und Nichtarbeitende nicht schon bestünde. Als der alte Adam Smith die Grundrente definiert, schließt er darin - obschon er nur den im bürgerlichen England seit langem bestehenden Aspekt der Revenuen der juristischen Eigentümer zu klären sucht - den Begriff des durch Naturalabgaben bestimmten Verhältnisses mit ein: Und Marx akzeptiert diese Formel, während er viele andere der Smith'schen Formulierungen einer strengen Kritik unterzieht: „'Sobald der Boden eines Landes durchweg Privateigentum geworden, lieben es die Grundbesitzer, wie andre Leute auch'" (er hätte auch sagen können: wie andre Tiere auch), „'zu ernten, wo sie nicht gesäet, und fordern Bodenrente selbst für die natürlichen Erzeugnisse des Bodens... Er' (der Arbeiter) muss dem Grundbesitzer einen Anteil von dem abtreten, was seine Arbeit gesammelt oder produziert hat. Dieser Anteil, oder was dasselbe, der Preis dieses Anteils, macht die Bodenrente aus'" [MEW 26.1, S. 53].
Der Grundbegriff ist also: ein Teil des Produkts - und der historisch kontingente, der kapitalistischen Form der Warenproduktion eigene Begriff: dessen Geldpreis.
Auf einer dieser selbstgenügsamen famosen „Inseln" können so einerseits ein Sklavenbesitzer mit seiner Familie, die nicht nur das ernten, was sie nicht gesät haben, sondern auch das ernten lassen (es gab noch keinen Mussolini, der eigenhändig das Korn drosch), was sie aufessen - andererseits die Sklaven und ihre Familien leben, die die Arbeit machen. Alle verzehren die Produkte desselben Bodens; aber der Arbeitssklave wandelt, sagen wir, durch seine Muskelkontraktionen 4.000 von der Sonne eingehende Wärmekalorien um und konsumiert selbst nicht mehr als 2.000 davon. Die Differenz ist nichts anderes als der Mehrwert, noch nicht in Pfund Sterling, sondern in Energieeinheiten gemessen. In der Tat, zur Zeit, als die ersten Ökonomen nach dem Wert der Arbeit suchten, tat sich sogleich die Kluft zwischen ihnen und uns Marxisten auf; sie messen diesen Wert nicht in „Menschen-Stärken" oder in Kalorien (was absolut identisch ist, gemäß der erstmals durch den Physiker Joule festgelegten Äquivalenz2), sondern nach dem Marktpreis der Lebensmittel, die hinreichen, den Arbeiter am Leben zu erhalten. Petty drückt es brutal aus: „'Das Gesetz... sollte dem Arbeiter gerade das noch zum Leben Notwendige zugestehen; denn wenn man ihm das Doppelte zugesteht, dann arbeitet er nur halb so viel, wie er hätte tun können und andernfalls getan hätte; das bedeutet für die Gesellschaft" (!) „einen Verlust des Ergebnisses von soviel Arbeit'" [MEW 26.1, S. 332].
Man sieht, den ersten (wie den letzten) Theoretikern des Kapitalismus liegt jene Leserschaft am Herzen, die das erntet, was andere gesät haben.
Von Naturalwirtschaften sprechen wir also nicht nur bei der kommunistischen „Gens", wo alle säen, sondern auch in Bezug auf die Sklaven- und mittelalterliche Ackerbauwirtschaft.
Im feudalen Gesellschaftsgetriebe besteht tatsächlich ein Markt, jedoch in erster Linie für Gegenstände handwerksmäßiger Produktion und nur sehr begrenzt für Agrarprodukte. Wohl können die in den nur schwach entwickelten Städten lebenden Handwerker und die zahlenmäßig kleine Schicht von Beamten und Gewerbetreibenden ihre Nahrungsmittel gegen Geld dort erwerben, wohin sie von den außerhalb der Städtemauern lebenden Bauern gebracht wurden, manche der Stadtbewohner haben auch schon ein Stück Ackerland in Privateigentum. Doch ist das Verhältnis zwischen den zwei grundlegenden Klassen - Ackerbauern und Adligen - nicht durch den Warentausch bestimmt; das gilt auch für den Klerus. Die Leibeigenen bebauen ein bestimmtes Feld, dessen Produkt ihrer Ernährung dient - aber nach der Ernte müssen sie einen Naturalanteil abziehen, den sie ihren Grundherren abzuliefern haben, ebenso wie den Zehnten an die Pfarrei. Der leibeigene Bodenbebauer braucht kein Geld, ebenso wenig wie der Grundherr und der Pfaffe. Natürlich gibt es die sich im Laufe des Spätmittelalters durch Handel und Wucher entwickelnde Schatzbildnerei, und der Grundherr begnügt sich nicht mehr mit dem gewöhnlichen Geldsack (dessen Inhalt er nicht mal genau kannte und den er bei „großen Anlässen" - z.B. einen Rivalen umbringen zu lassen - dem gedungenen Mörder verächtlich vor die Füße warf), sondern er fängt an, sich eine Kasse, eine Verwaltung und einen eigenen Geldbeutel zuzulegen. Das Netz der Warenproduktion verdichtet sich immer mehr, aber der größte Teil der Agrarwirtschaft funktioniert, ohne in dieses Netz eingesponnen zu sein.
Marx und seine Studien über die früheren Ökonomen - keine Lesenotizen, sondern hervorragende Darstellungen der neuen revolutionären Theorie - werden uns als Leitfaden bei diesem Übergang von der Natural- zur Tauschwirtschaft dienen, worin der Protagonist des sozialen Kampfes die bürgerliche Klasse ist. Die von ihr selbst aufgestellten Theorien ihrer Entwicklung haben große Bedeutung und sind eine Bestätigung dafür, dass das „Bewusstsein", selbst das kollektive, das letzte Glied einer historischen Umwälzung ist. Der Schlüssel hierfür liegt hingegen im ökonomischen Determinismus und im physischen Zusammenstoß der auf den Plan tretenden Kräfte und Menschenmassen. Moderne warenproduzierende3 LandwirtschaftNachdem der Kapitalismus einerseits den „freigesetzten" Arbeiter, andererseits den feudalen Baron dadurch vom Boden abnabelt, dass er die Unveräußerlichkeit des Lehngutes aufhebt, es den Kreditgebern oder Konkurrenten bei Versteigerungen überlässt oder zum Teil auch den Klein- und Mittelbauern parzellenweise verkauft, erhält die Landwirtschaft zunehmend Marktcharakter. Aus diesem riesigen Umwälzungsprozess gehen vielerlei Formen der Bodenbewirtschaftung hervor, die noch immer und neben der modernen Industrialisierung bestehen, die sich auf dem Gebiet der Manufakturproduktion und in den verschiedenen Geschäftsbereichen kolossal durchgesetzt hat.
Um diese Formen zu unterscheiden, werden wir, nachdem wir die Überlegenheit der historischen Ableitung dreimal unterstrichen haben, vor allem auf klare, wissenschaftliche Darstellungen guter Autoren zurückgreifen.
Wenn wir wieder die schon zitierte Studie aus „Proprietà e capitale"4 zur Hand nehmen, werden wir uns erinnern, wie die Bourgeoisie die überkommenen Ordnungen und feudalen Belehnungen durch die vollumfängliche Anwendung des „römischen Rechts" verdrängte, welches sowohl das Privateigentum am Boden schützte als auch dessen Veräußerung und Erbteilung ermöglichte5. Wir wollen hier nicht wiederholen, wie ein und dieselbe Rechtsnorm sowohl für den Erdfetzen der bäuerlichen Kleinfamilie als auch für ein Tausende Hektar umfassendes Gut gilt und welche Bedeutung diese Regelung hat.
Tatsächlich rückt die Analyse des in „Proprietà e capitale" erwähnten Autoren anstelle des rein juristischen Kriteriums des Eigentums ein ganz anderes Kriterium in den Vordergrund: das des Betriebes. Diese wesentliche Unterscheidung wurde besonders betont, als Kommunisten, deren Horizont nicht über einen auf die moderne Fabrik fixierten Syndikalismus hinausreichte, von den Agrarthesen der III. Internationale nichts verstanden hatten und für etwas völlig Neues hielten. Doch die durchgefallenen Schüler, die heute für den offiziellen Moskauer Kommunismus das Synedrium in Sachen Agrarfrage stellen, haben diese Sache noch immer nicht verdaut. Die hohle Demagogie ihrer Agitation ist auf die - zu ihrer Zeit genialen - Positionen der Physiokraten abgerutscht, d.h. in den Kampf für die Erde als Quelle allen Reichtums und die Verteilung armseliger Eigentumstitel.
In der Behandlung der Genesis der Rente anatomiert der von uns benutzte Leitfaden der Ökonomie also den Agrarbetrieb, nicht das Eigentum. In der Tat stimmen auch die ersten Ökonomen mit uns darin überein, dass die Geldrente ohne ein gesetzliches Gerüst nicht entstanden wäre. So der Physiokrat Turgot: „'Der Grundeigentümer hat nichts ohne die Arbeit des Bebauers [...]; er empfängt von ihm seine Lebensmittel und die Mittel zur Bezahlung der Arbeiten der anderen Besoldeten... der Bebauer benötigt den Grundeigentümer nur auf Grund der Konventionen und Gesetze'" [MEW 26.1, S. 27].
Von Jérôme-Adolphe Blanqui („Geschichte der politischen Ökonomie", 1839) gibt Marx folgende Definition der bürgerlichen Landwirtschaft wieder (brillant wie seine berühmte Formel: „Der Kapitalismus macht aus der Erde einen Kommerzartikel"): „'Das Grundeigentum trat zum ersten Mal aus jenem Zustande der Erstarrung heraus, in dem es das Feudalsystem so lange gehalten hatte. Das war ein wahres Erwachen für die Agrikultur... Sie' (la terre) gelangte nun aus dem Regime der toten Hand in das der Zirkulation'" [MEW 26.1, S. 35].
Was das Regime der „toten Hand"6 ist, wird uns das Lehrbuch erklären. Bevor es gesetzlich abgeschafft wurde, war es in Italien die einzige feudale Form. In toter Hand waren die Immobiliengüter der Kirche, der Klöster (Mönchsorden, keine Arbeitsgemeinschaften, wie in der Benediktinerregel vorgeschrieben, sondern Rentenbezieher7) und sonstiger frommer Einrichtungen. Diese Immobiliengüter waren weder veräußerlich noch übertragbar, so dass bei ihrer Auflösung nur eine Gebühr erhoben wurde statt eine Steuer zu zahlen, wie sie das freie Eigentum dem Fiskus bei jeder Übertragung (Verkauf oder Erbteilung) zu entrichten hat. In Italien z.B. brachten in den Jahren 1923-24 die Überreste der Güter der (untauglichen) toten Hand dem Fiskus nur ca. 6 Mio. Lire, während die Übertragungen des in die Zirkulation geworfenen Bodens 500 Mio. abwarfen. Und wie der Feudalismus ausgemerzt wurde!8 Schweifen wir noch ein bisschen weiter ab. Ausgehend von diesen Zahlen und der Durchschnittszeit, die zwischen den Eigentumsübertragungen liegt, berechnet der Autor, dass 1924 in Italien der Wert des privaten Grund und Bodens auf dem Lande 120 Mrd. Lire (bei einer Gesamtsumme von 200 Mrd.) betragen habe. Vergleichen wir diese Zahl mit dem Wert der Gebäude, der demnach 80 Mrd. ausmachen würde. In der Vorkriegszeit hatten wir in Italien 30 Millionen Wohneinheiten; die nicht dem Wohnen, sondern anderen Zwecken dienenden Gebäude machten fast doppelt so viel aus, d.h. 50 Millionen. Der Durchschnittspreis (Stadt und Land) einer Einheit belief sich damals auf den Wert von 3000 Lire; wenn wir also von dem unbewohnten Raum ausgehen, kommen wir auf 150 Mrd. Lire. Was heißen würde, dass die Gesamtsumme, d.h. der Wert des Bodens und der Gebäude, mit 150 statt mit 120 Mrd. veranschlagt werden müsste. Wie der Text anmerkt, ist der wirkliche Grund, dass die von den Steuerzahlern angegebenen Werte unter dem tatsächlichen Wert liegen - auch nach der Erhebung. Man kann also den Wert des privaten Immobilienvermögens auf dem Lande im Jahr 1924 auf 150 Mrd. Lire schätzen - heute wären das etwa 8.000 Mrd. Lire. Die Grundrente aller italienischen Böden, gleich ob konzentriert oder parzelliert, beträgt heute jährlich ca. 400 Mrd. Das Bruttosozialprodukt erreicht bereits 16.000 Mrd.; der Kampf um die Verteilung der Grundrente betrifft also nur 2,5% des wirtschaftlichen Reichtums des Landes. Darüber hinaus ist ein beträchtlicher Teil des Bodens schon zerstückelt. Wie hoch wird also die Rente der „Barone" sein, wie wir uns schon an anderer Stelle fragten? Auf 45 Millionen Italiener kommen gut 8 Millionen Grundeigentümer. Man weiß, dass die Statistik wegen der unterschiedlichen Größe der einzelnen Besitztümer eine verwickelte Angelegenheit ist: Wie auch immer, das Phantom der Barone profitiert höchstens zu einem halben Prozent am Unglück dieses daher so „glücklichen" Volkes. Nach dem Geprahle der „Unità" kostet dem Volk die offizielle kommunistische Partei an Mitgliedsbeiträgen und Spenden wesentlich mehr - hiermit also wird das Volk wirklich abgezockt. BetriebsbilanzZuerst noch eine kleine Lektion: „Der Ackerboden teilt sich zuerst in Besitztümer, von denen jedes ein oder mehrere Unternehmen oder Betriebe umfassen kann, während nur ausnahmsweise das Gegenteil der Fall ist" (aber es kommt vor: kleineres Eigentum, größerer Betrieb). „Man versteht unter Besitzung oder Gutshof die Gesamtheit der mehr oder weniger aneinandergrenzenden Grundstücke, die einer einzigen natürlichen oder juristischen Person gehören; und unter Agrarbetrieb, Landgut oder Anbaueinheit die bebaute Fläche, die durch einen einzigen Unternehmer - gleich ob Eigentümer, Pächter, Erb- oder Teilpächter - bewirtschaftet wird."9
Die Frage des Groß- oder Kleinanbaus muss also, um die Sache wie immer gut einzuhämmern, auf die Betriebsgröße und nicht auf die des Eigentums bezogen werden, d.h. auf das, was Lenin als „Monopol der Bodenbewirtschaftung" im Gegensatz zum „Monopol des Grundbesitzes" bezeichnet. Die Abschaffung des Letzteren kann in ein bürgerliches Programm aufgenommen werden; was heißt, dass der Boden, nachdem er in die Zirkulation geworfen, d.h. von den feudalen grundherrlichen Vorrechten befreit wurde, dem Markt entzogen und in Staatsbesitz übertragen wird. Dagegen kann das Monopol der Bodenbewirtschaftung nur gleichzeitig mit dem Monopol des Grundbesitzes abgeschafft werden, ist also Aufgabe der kommunistischen Revolution.
Da die Definition des Latifundiums lautet: Großgrundeigentum, kleinbetrieblich bewirtschaftet10, berührt dessen Zerstückelung weder das rechtliche noch das betriebswirtschaftliche Monopol und gehört weder zum sozialistischen noch zum fortschrittlich bürgerlichen Programm. Es ist ein Geschäftemachern und Stimmenfängern würdiger Schmarren: mehr nicht.
Kommen wir also zur allgemeinen Analyse der Bilanzierung in der Bewirtschaftung, die uns zur Definition der Einkommen der verschiedenen sozialen Elemente und zur Untersuchung der heutigen unterschiedlichen Betriebsformen verhelfen kann.
Die Aktiva bzw. Einnahmen stellen sich als die Bruttoproduktion bzw. das Bruttoprodukt dar, dessen Verkauf zum Marktpreis den Geldbetrag der Bruttorente bzw. der Bruttorevenue ergibt. Halten wir einen Augenblick inne, um festzustellen, dass Rente quantitativ gesehen dasselbe wie Revenue ist; mit dem ersten Ausdruck beziehen wir uns auf das Einkommen, das ein Grundstück abwirft, mit dem zweiten auf das Einkommen eines Eigentümers oder jeder anderen Person, die einen Rechtstitel am Betrieb hält.
Die einzige Geldzufuhr in die Betriebskasse ist also folglich der Preis aller in einem Jahr hergestellten, auf den Markt gebrachten und verkauften Agrarerzeugnisse.
Alle Ausgaben müssen von diesem Betrag bestritten werden. Vor allem muss das ersetzt werden, was die Produktion stofflich aufgesaugt oder vernutzt hat, d.h. das Betriebskapital. Die offizielle Ökonomie unterteilt das Betriebskapital in fixes Kapital (d.h. Gebäude, Maschinen, Vieh u.a.) und zirkulierendes Kapital (d.h. Saatgut, Dünger, Futtergetreide, Setzlinge etc.); diese Unterscheidung wird gemacht, weil ersteres von einer partiellen Abnutzung betroffen ist, letzteres dagegen von einer totalen Vernutzung. Folglich wird bei den jährlichen Betriebsausgaben ein Anteil des fixen Kapitals, dessen Erhaltung gewährleistet werden muss (Amortisation), sowie das gesamte zirkulierende Kapital als Rücklage verbucht. Da der Begriff des fixen Kapitals in der marxistischen Ökonomie eine ganz andere Bedeutung hat, ist es besser, den Begriff: konstantes Kapital zu benutzen.11 Darin ist das ganze zirkulierende Kapital sowie der Anteil des als fix definierten Kapitals, der vernutzt wurde, enthalten.
Einmal das zirkulierende Kapital und den Amortisierungsanteil als Ausgaben subtrahiert, sind wir mit den Abzügen noch nicht am Ende. Gebäude, Maschinen, etc. erfordern außer der Amortisierung - einer Rücklage für die Zeit, in der sie gänzlich erneuert werden müssen - eine jährlich vorzunehmende Wartung.
Bei einer klugen Bewirtschaftung wird noch ein Anteil für die Risiken zurückgelegt, denen die Anlagen ausgesetzt sind, d.h. eine Versicherung.
Das Agrarunternehmen muss darüber hinaus weitere Ausgaben bewältigen: Gegebenenfalls Verwaltungskosten, es muss Steuern zahlen - auf den Profit (den so genannten „agrikolen" Profit) und in Form der „Arbeitgeberbeiträge" für das Personal (nicht in Rechnung kommt hier nur die Grundsteuer, die auf den Eigentümer bzw. das besteuerbare Hofgut fällt). All dies bezeichnen wir als allgemeine Kosten.
Das ist nicht alles. Wenn der Unternehmer kein Kapital flüssig hat und es sich, sagen wir, bei einer Bank leiht, damit er den Jahresbetrag der Gesamtausgaben vorschießen kann, wird er folglich Zinsen auf das Betriebskapital zahlen müssen.
Wir kommen jetzt zu dem, was den am Spiel beteiligten Personen gegeben werden muss. Der Unternehmer beschäftigt Tagelöhner und Landarbeiter, denen er aufs Jahr gerechnet eine bestimmte Summe an Löhnen auszahlt. Für den Vulgärökonomen ist dies ein Ausgabenposten, für Marxisten hingegen variables Kapital.
Der Unternehmer entwickelt also des Gewinns halber eine rege Aktivität - ihm wird der Unternehmensprofit zufallen. An dieser Stelle müssen wir uns bei dem Autoren entschuldigen, wenn wir seine Behauptung zurückweisen, dieser Posten stelle eine Art Lohn für die Aufsichts- und Leitungsarbeit dar. Allenfalls könnte er in zwei Teile zerfällt werden, wobei in der Buchführung der eine Teil als Gehalt der festangestellten Agrartechniker figuriert, der andere Teil den reinen Unternehmerprofit darstellt.
Hätten wir es mit einem Industrieunternehmen zu tun, wären wir jetzt fertig, d.h. die Ausgaben wären vom Gesamterlös aus dem Verkauf der Produkte gedeckt. Doch wir haben es mit dem Agrarboden zu tun, und nach dem Code Napoléon muss dem juristischen Eigentümer eine Einnahme, d.h. seine Netto-Grundrente, zugestanden werden.
Wenn wir Buchstaben„symbole" benutzt hätten, hätten wir das alles schnell zusammenfassen können, aber nachher hätte uns irgendeiner als „Theoretiker" (igitt!) bemitleidet. Benutzen wir also die „populäre" Sprache (die bestens dazu taugt, das souveräne Volk zu veräppeln) und versuchen wir trotzdem, genau zu sein.
ES KOMMT REIN: die Bruttorente, d.h. der Erlös aus dem Verkauf der Jahres-Bruttoproduktion zum Marktpreis.
ES GEHT RAUS: erstens, die Amortisierung des fixen Kapitals - zweitens, seine Wartung - drittens, das jährlich zirkulierende Kapital - viertens, die Versicherung - fünftens, allgemeine Kosten - sechstens, die Zinsen auf das im Jahr vorgeschossene Kapital - siebtens, die Löhne für die Landarbeiter - achtens, der Profit für den Unternehmer.
ES BLEIBT (nachdem all dies bezahlt worden ist): eine Differenz; die Grundrente, die der Grundeigentümer einstreicht. Dramatis personaeSymbole und Zahlen ziehen sich nun zurück, und lebendige Personen betreten den Schauplatz.
Der Grundeigentümer, der es sich in der Stadt gut gehen lässt, ist Empfänger der Netto-Grundrente. Wenn ihm ein Teil des technischen Anlagenkapitals gehört, wird er auch einen Teil der Zinsen beziehen.
Der selbstwirtschaftende grundbesitzende Bauer erhält die Rente, den Profit und die Zinsen.
Der kapitalistische Pächter streicht den Profit und auch einen Teil der Zinsen ein.
Der selbstarbeitende Pächter (Kolone) bezieht die Summe aus Profit und Lohn.
Der Kleineigentümer (Ackerbauer) zieht die Grundrente, den Profit und den Lohn ein.
Der Landarbeiter, tageweise oder fürs Jahr eingestellt, bezieht nur den Lohn.
Eine Anmerkung muss sogleich gemacht werden, damit die rein rechtliche Charakterisierung dessen, was wem zufällt, nicht die Wirklichkeit der ökonomischen und Klassenverhältnisse überdeckt: Zweifellos streicht im allgemeinen der Eigentümer, der einem Agrarunternehmer ein Grundstück verpachtet, die Grundrente ein: Entweder weil er auf rechtliche Mittel zurückgreifen kann, um sie zu verlangen, oder weil er eine Kaution einbehält. Nicht minder ist der kapitalistische Profit des Unternehmers gewährleistet, wofür, wie bei jedem anderen Industriellen, der Besitz am Produkt (von dem alle Ausgaben bestritten werden) bürgt; außer in Ausnahmefällen und bei einer Absatzkrise wird die Gewinnspanne die gleiche sein. Schließlich sichert das Gesetz auch die Lohnzahlung für den Arbeiter seitens des Unternehmers.
Aber bei den hybriden Formen ändert sich die Sache. Den selbstarbeitenden Pächter zwingt das Gesetz zur Pachtzahlung an den Grundeigentümer; als Unterpfand hat er das gesamte Bruttoprodukt, doch kann der Nettoerlös den Profit arg schmälern und sogar den Lohn beschneiden, ohne dass er sich an irgendjemanden schadlos halten kann.
Der Kleineigentümer müsste Rente, Profit und Lohn kassieren. Wenn er jedoch, wie nicht selten, von der Steuer- und Zinslast erdrückt wird, kann sein Einkommen sinken, ohne dass er irgendwelche Entschädigungsansprüche geltend machen kann; anders gesagt: Dass er sogar unterhalb des Durchschnittslohns arbeitet, nachdem Rente und Profit, die in der theoretischen Analyse erschienen waren, weg sind und er für den Staat, die Bank, den Wucherer oder Steuerberater schanzen muss.
Selbst diese von den verschiedenen soziologischen Richtungen allgemein anerkannte Darstellung stellt also außer Zweifel, dass die hybriden Formen in der Landwirtschaft aus, wir sind versucht zu sagen, rein buchhalterischer Sicht, die elendsten sind und jedenfalls sicherstellen, dass die Mühen der Arbeit in keinem Verhältnis mehr zur Entlohnung stehen.
Und da kommen dann so genannte „Marxisten" daher, die Kampagnen lostreten, um die Anzahl der Kleineigentümer, der Kolonen, der Halbpächter, zu erhöhen und ihrer Proletarisierung zuvorzukommen.12 Man kann dies mit der Absicht erklären, ihre Revolutionierung zu verhindern: Doch um diese „Marxisten" bloßzustellen, sollte der Beweis nicht außer Acht gelassen werden, dass sie aus ihnen arme Schlucker machen, noch mehr ausgebeutet als die Lohnarbeiter. Statt auf die Proletarier allein richten sie ihr Augenmerk auf das „Volk", was für erstere kein Aufstieg ist, sondern über die soziale, geistige und politische Herabdrückung hinaus auch ihren wirtschaftlichen Niedergang bedeutet. Lexikalische ParenthesenDa wir eine Partei sind und keine Akademie, ist es weder möglich noch nützlich, Überschneidungen der verschiedenen schriftlich oder mündlich, unregelmäßig oder periodisch behandelten Fragen zu vermeiden (manchmal ist die Periodizität durch die Kargheit unserer Mittel schwer beeinträchtigt, da unser materielles Elend nicht geringer ist als das des „selbständigen" Arbeiters, der niemanden ausbeutet und in niemandes Diensten steht).
Wir haben von Kapital, Lohn und Profit gesprochen - Begriffe, die in der marxistischen Ökonomie in ihrer Anwendung auf kapitalistische Betriebe überhaupt und nicht nur auf Agrarbetriebe wiederkehren; wir müssen hier also auch das wiederholen bzw. vorwegnehmen, was in „Proprietà e capitale" und in „Elementi dell'economia marxista" (dessen erstes Heft schon rausgekommen ist; zwei andere sind noch in Vorbereitung13) gesagt wurde bzw. noch zu sagen ist.
Wir beschränken uns hier (tatsächlich wird die Untersuchung der Grundrente zu nichts anderem als zur allgemeinen Mehrwerttheorie führen, wie man mit Marx Schritt für Schritt nachvollziehen kann) auf die unerlässlichen Klarstellungen, damit in der Anwendung der Begriffe nichts durcheinander gebracht wird und um zu vermeiden, dass vom Thema abgekommen wird oder Aussagen, die zu verschiedenen Abschnitten der Lehre gehören, falsch zugeordnet werden. Auf die verschiedenen Abschnitte werden wir uns immer wieder zurückverwiesen sehen, ohne auf ein Hilfsmittel wie Pandekten und Digesten14 des Marxismus zurückgreifen zu können, die nicht einmal die steinreichen Forschungsinstitute in den verschiedenen Lagern zu erstellen in der Lage sind.
Genauso wie die Immobilienrente dem Betriebsprofit und dem Geldzins gleichgestellt wird, werden gemeinhin auch der Boden, die Fabrik (samt Maschinen) und das Bargeld als „Vermögens"kapital des Titelinhabers nebeneinander gestellt.
All dies sind tatsächlich Mittel der bestehenden Produktionsweise und alle unterstehen kraft der bestehenden Gesetze dem Monopolinhaber. Aber die Fragestellung ist sehr viel komplexer, seit sie auf zwei grundlegenden Kriterien fußt: geschichtlicher Prozess und Klassenverhältnisse.
Im Agrarbetrieb wirken Bodenkapital, technisches Anlagenkapital [Maschinen, Anlagen, Inventar etc.] und Geldkapital zusammen. Im Großen und Ganzen scheint es, als würde das Verhältnis von Zins zu Geldkapital quantitativ mit dem von Rente zu Immobilienwert zusammenfallen; will man jedoch, ebenfalls nur quantitativ gesehen, das zumeist viel höhere Verhältnis des industriellen Profits zum technischen Anlagenkapital damit vergleichen, so ist Vorsicht geboten.
Wir erinnern an die Marx'schen Begriffe und wenden sie auf den oben skizzierten Betrieb an.
Für Marx sind weder der Preis eines Grundstücks oder eines Werkstattraumes noch ein beliebiger Geldbetrag Kapital. Er beginnt damit, dass das Kapital einer Warensammlung, Produkten der menschlichen Arbeit, gleichgesetzt wird. Der darin enthaltene Wert teilt sich in drei Wertbestandteile. Der erste ist das konstante Kapital, das, was der Unternehmer (dem die Waren gehören und der sie verkauft) für Rohmaterial, Verschleiß der Maschinen und sonstige allgemeine Kosten ausgelegt hat. Der zweite ist das variable Kapital, das, was an Löhnen ausgelegt wurde. Der dritte Teil ist der Mehrwert, die Gewinnspanne gleich Unternehmensprofit.
Die Summe der drei ist das Gesamtkapital, also das, was der Unternehmer, nach abgeschlossener Produktionsperiode, unabhängig von ihrer Dauer, in Händen hat.
Was also war das konstante Kapital in unserem Betrieb? Es findet sich (der Leser möge geduldig und aufmerksam sein) im ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Bilanzposten der Vorschüsse (Kosten, Ausgaben) wieder: Amortisierung der Anlagen; ihre Instandhaltung; „zirkulierendes" Kapital bzw. Rohmaterial; Versicherungen; allgemeine Kosten. All dies ist konstant, denn zu Beginn des neuen Produktionszyklus (der nur in der Landwirtschaft einem Kalenderjahr entspricht) sind alle genannten Ausgaben wieder vollständig ersetzt.
Und was ist das variable Kapital? Allein der siebte Posten: die Löhne (und ggf. die Gehälter).
Was ist der Mehrwert? Die Summe folgender drei Posten: der sechste (Zins); der achte (Unternehmensprofit); und schließlich die Netto-Grundrente.
Was ist die Summe der drei Termini: konstantes und variables Kapital sowie Mehrwert, d.h. das für einen neuen Zyklus bereitgestellte Gesamtkapital? Klar: es ist der Gesamtwert der Lebensmittelproduktion; in der Landwirtschaft entspricht dieser der Brutto-Grundrente. Für die Bourgeoisie ist das eine Brutto-Rente, für uns ist das Kapital.
Folglich ist das von Marx in seine Bestandteile zerlegte Kapital eine ganz andere Sache als der Vermögenswert des Bodens und des technischen (fixen) Anlagenkapitals.
Bei einem normalen Industriebetrieb bezeichnen wir als Kapital die Summe der in einer bestimmten Periode erzeugten Produkte, was die Buchhaltung den Umsatz, d.h. die Bruttoeinnahmen oder das Aktivvermögen nennt. Wir bezeichnen als Kapital weder den Schätzwert der Fabrikanlagen und des Fabrikinventars noch die Differenz zwischen diesem Schätzwert und den Einlagen der Aktionäre und deren Aktienkapital selbst, das - wie in den gesetzlich vorgeschriebenen Bilanzen - nominal oder real berechnet sein mag.
In der Tat hängt der Kaufwert eines Betriebs nicht vom addierten Schätz- bzw. Inventarwert ab, sondern von seiner Brutto-Produktleistung und seiner Netto-Gewinnspanne auf dieses Produkt; falls es eine AG ist, kann der Kaufwert die Vermögensrechte der Aktionäre sogar um ein Vielfaches übersteigen.
All dies in Rechnung stellend, würden wir zu den wesentlichen Unterscheidungen (die unter anderem im „Dialog mit Stalin" behandelt wurden) zwischen Renten-, Zins- bzw. Profitrate und der Mehrwertrate kommen. Der Mehrwert ist die Summe jener drei Abzüge (also Rente, Zins, Profit), aber auch, wenn die Bourgeoisie den Mehrwert zum Wert der Anlagen ins Verhältnis setzt, wir ihn ins Verhältnis zum lebendigen Transformationswert, wird der Mehrwert trotz des Gesetzes des Falls jener Raten sowohl absolut als auch relativ immer riesenhafter.
Hier genügt es zu sagen (wozu wir ein bisschen mit Zahlen hantieren werden): Ein Grundstück von einer Million Kaufwert kann eine Brutto-Rente von ca. 10% (d.h. 100.000) und eine Netto-Rente von ca. 5% (d.h. 50.000) abwerfen. Wenn von den 50.000 jährlicher Auslagen 20.000 die Löhne ausmachen, liegt die Mehrwertrate bei 250%. In der Industrie kann es gut sein, dass bei denselben Zahlen für die Einnahmen und Ausgaben (also bei einem Jahresumsatz von 100.000) der Wert der Anlagen nur eine halbe Million beträgt; während der Vulgärökonom den 10%igen Profit finden wird, finden wir dieselbe Mehrwertrate wie zuvor beim Grundstück. Zins und RenteWir verschieben die Frage des Betriebsprofits, auch in Bezug auf staatliche oder halbstaatliche Aktiengesellschaften, auf spätere Darstellungen und kommen auf die Zeit zurück, in der diese Seite des Mehrwerts den Ökonomen des entstehenden Kapitalismus noch keine Sorgen machte, sondern sie mit der Bodenrente und der Geldrente (Zins) beschäftigt waren, die damals rundheraus als „usury" [Wucher] bezeichnet wurde.
Dies ist der von Marx eingeschlagene Weg, um zum Verständnis des Kapitalismus zu kommen. Wenn wir mit ihm die richtige Richtung einschlagen, ist es leicht, das Ende des langen Weges zu erreichen: Das Kapital wird sich zwar mit einer geringeren Profitrate begnügen und sogar einen höheren Lebensstandard der Arbeiter zulassen - gleichwohl wird nicht so sehr die vermehrte Abpressung des Mehrwerts bewiesen (was ein platonisches Ergebnis wäre), sondern das Bevorstehen der revolutionären Katastrophe.
Dass das Eigentum an Grund und Boden eine Rente abwirft, schien den ersten Forschern ganz natürlich, da die Erde „Früchte" trägt. Schon schwerer zu begreifen ist hingegen, dass eine geliehene Geldsumme Zinsen abwirft. Sie waren noch weit entfernt davon zu verstehen, dass in beiden Fällen die Erklärung erst gefunden wird, wenn die Entstehung des Werts auf die menschliche Arbeit zurückgeführt worden ist, und dass weder Boden noch Geld sowie später nicht einmal die Maschinen wie die Abführschokolade „Kinglax" wirken (man schläft und sie arbeitet); vielmehr müssen im gesellschaftlichen Konglomerat die Unglücklichen gefunden werden, die wach bleiben, während die anderen schlafen.
Bei Petty finden sich wirklich beeindruckende Dinge, wenn der Leser ein Karl Marx ist. 1667 entdeckte jener als erster, dass der Wert einer Ware, den er den „natürlichen Preis" nannte, durch die verhältnismäßige Quantität von Arbeit bestimmt ist, die in ihr enthalten ist.15 Bald tauchen Fragestellungen auf, die sich um den Mehrwert drehen, d.h. die „Einkünfte" (die Revenuen) derjenigen, die nicht arbeiten.
„'Aber ehe wir zuviel von Renten sprechen, müssen wir ihre geheimnisvolle Natur zu erklären trachten, sowohl in Bezug auf das Geld, dessen Rente wir Zins nennen, als auch in Bezug auf Ländereien und Häuser'" [MEW 26.1, S. 332].
Gegenüber den französischen Physiokraten, für die die Grundrente die einzige Quelle des Mehrwerts war (denn ihrer Auffassung nach vermehrt die Manufakturproduktion nicht den Reichtum, sondern verändert, bei gleich bleibendem Wert, nur dessen Gestalt: trotzdem hielt die bloße Umwandlung des Reichtums die „sterile" Klasse, d.h. capitaliste industriell und Arbeiter, am Leben), vollzog Petty den Schritt, den Zins als eine zweite Form des Mehrwerts aufzufassen.
Petty geht davon aus, dass ein einzelner Mann alle auf einem Stück Boden anfallenden Arbeiten verrichtet: Pflügen, Aussaat, Ernte, Dreschen etc., dass er das Saatgut für das folgende Jahr zurücklegt und von seiner Ernte das abzieht, was er selbst verzehrt: Das übrige Korn bildet für ihn die „natürliche und wirkliche Bodenrente", oder genauer, in einem Zeitraum von 7 Jahren ergibt der Durchschnitt des Mehrprodukts die Bodenrente.
Dies bedeutet, wie Marx zeigt, dass er so die Rente darstellt als Überschuss der surplus labour des Produzenten über den Lohn und den Ersatz des verausgabten Kapitals hinaus, statt sie (jetzt folgt die marxistische Darstellung) als bloßen Überschuss der angewandten Arbeit über die notwendige Arbeitzeit zu definieren - kurz und bündig gesagt, denn wir haben es schon dargelegt. Ein Überschuss des produzierten Korns über die geringe Menge hinaus, die der Einzelbauer nur für seine eigene Ernährung hätte produzieren müssen.
Die Worte sind von Petty, aber die Musik ist von Don Carlo.
Dann nimmt sich Petty vor, die Rente in englischem Geld auszudrücken, d.h. das Girokonto Robinson Crusoes bei der Bank of England zu überprüfen. Darin erweist er sich als sehr aufgeweckt. Soviel wie das Geld, sagen wir Silber, das ein Bergmann in „der gleichen Zeit" [wie er zur Produktion von Korn brauchen würde] ausgraben kann, wobei er seinen Konsum auf das unentbehrliche Minimum reduzieren und nur, wie der Arbeiter, das zum Leben Notwendige erwerben soll. In der Marx'schen Sprache bedeutet das, die Rente dem gesamten Mehrwert gleichzusetzen, einschließlich des Profits. Nachdem Petty den „Ertrag" gefunden, also die Jahresrente in Geld ausgerechnet hat, will er nun den Geldwert des Landes bestimmen, „was wieder sehr genial".
In der Tat spricht er vom „natürlichen Wert des frei verkäuflichen Bodens". Nun, sein Vorgehen ist hier wirklich von besonderer Art: Er fragt sich, wie viel Jahresrenten der Boden wert ist, in anderen Worten, wie viel Geld, nach dem aktuellen Wert, der Käufer bereit ist vorzuschießen. Petty sagt, diese Jahre entsprechen der Lebensdauer, die ein Mann von 50 Jahren, einer von 28 und ein anderer von 7 Jahren, also Großvater, Vater und Sohn gleichzeitig Aussicht haben zu leben - an eine fernere Nachkommenschaft braucht nicht gedacht zu werden. Die drei Leben werden im damaligen England auf 21 Jahre geschätzt, folglich beläuft sich der Wert des Landes auf 21 Jahresrenten.16
Marx bemerkt, das dies der bei den gewöhnlichen Ökonomen vorgenommenen „Kapitalisierung" entspricht: 21 bzw. 20 Renten bedeuten einen 5%igen Zinsfuß: Der Käufer kalkuliert, dass ihm der Boden genauso viel einbringen wird wie sein zu einem 5%igen Jahreszins angelegtes Geld. Hätte er so gedacht, hätte Petty die Rente aus dem Zins abgeleitet - aber er geht ja von der Rente als der Urform des Mehrwerts aus.
Die Deduktion Pettys ist umso interessanter, als sie dazu nützen könnte, einen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung einer heutigen Generation und dem Fall der Profitrate festzustellen. Wir rechnen heute nicht 21, sondern 30 Jahre für eine Generation, und Stalin, der auf Voronoff17 große Stücke hielt (auch wenn das Resultat zu wünschen übrig ließ), hätte für das „Land des Sozialismus" mindestens 35 Jahre beansprucht. Warum dann den Fall der Profitrate von 5 auf knapp 3% im Laufe von drei Jahrzehnten abstreiten?
Doch Petty antwortet nicht auf den von Marx in anderer Form erhobenen Einwand: Nämlich dass, nachdem die 21 Jahresrenten verzehrt wurden, der Boden für zwei weitere Jahrzehnte bzw. bei einem nochmaligen Verkauf denselben Kaufwert haben wird. Dies wird juristisch durch die Vererbung des Grundeigentums ausgedrückt, ohne dass die Lebensdauer einer Generation fixiert wird.
Um Petty zu widerlegen, brauchen wir eine kleine Formel der Integralrechnung. Um keinen Ärger zu kriegen, werden wir eine kleine Geschichte erzählen. Das Dienstmädchen und die IntegralrechnungAls ich ein Junge von stolzen 10 Jahren war und Schüler der 4. Klasse, der meisterhaft die vier Grundrechenarten beherrschte, brachte mich das Dienstmädchen dauernd in Verlegenheit. Ich bin Analphabetin, sagte sie, du bist gebildet: Errechne mir, wie viel ich gespart haben muss, um den Dienst quittieren zu können und eine Rente von einer Lira pro Tag zu haben (da ich diejenigen, die das Alter des Erzählers ausrechnen wollen, schon vor mir sehe: Bis 1916 schlug man sich mit einer Lira am Tag durch, heute mit 3-400 Lire; er ist mindestens fünfzig). Von der hohen Warte meiner Bildung aus beschimpfte ich sie: Dummkopf! Damit ich das ausrechnen kann, müsstest du mir sagen, in welchem Jahr du stirbst. Sie sah mich nachsichtig an und gab sich unendliche Mühe, mir zu erklären, dass das nicht notwendig sei (natürlich rechnete sie mit mehr als den 21 dürftigen Jahren Pettys). Wenn ich aus diesem langen Kampf als Verlierer hinausging, so deshalb, weil das Dienstmädchen die Integralrechnung anwandte, und ich nicht.
Das, was man wissen musste, war nicht die Lebensdauer der Frau, sondern der Zinsfuß: Nicht nur hätten ihre Spargroschen allemal gereicht, selbst wenn sie so alt wie Methusalem geworden wäre, sondern sie haben sie sicher sogar überlebt (abgesehen von der Geldentwertung!).
Ein Betrag von einer Lira bringt zinsbringend angelegt nach einem Jahr (ihr wollt doch nicht dümmer als eine arme Analphabetin des... ich wollte gerade sagen, letzten Jahrhunderts sein) eine Lira und fünf Centesimi. Wenn ich also nach einem Jahr den Betrag von 1 Lira kassieren will, reicht es aus, heute (etwa) 95 Centesimi auf die Bank zu legen.
Also ist 1 Lira heute 1 Lira; 1 Lira im nächsten Jahr erforderte heute 0,95 Lira; 1 Lira in zwei Jahren (etwa!) 0,90; 1 Lira in drei Jahren etwas mehr als 0,85. Denkt jetzt bloß nicht, dass für 1 Lira in 10 Jahren eine halbe Lira anzulegen wäre, nach „heutigem Wert" bräuchte man 61 Centesimi, und in zwanzig Jahren nicht Null, sondern 38 Centesimi.
Darauf werdet ihr kommen, wenn ihr außer den vier Grundrechenarten die Potenzrechnung kennt; doch doch, ihr könnt mir ruhig glauben.
Nun haben wir folgendes Problem: Wie viel muss ich „beiseitelegen", um die Summe, nach heutigem Wert, zusammen zu kriegen, die die zukünftigen, von heute aus gesehen mit jedem Jahr entfernter liegenden, aber immer gleich hohen Renten ergibt? Wie viele Jahre lang? Alle, bis zum Ende des... Kapitalismus.
Wir könnten hier von der Infinitesimalrechnung zu den Einstein'schen Begriffen der Relativität übergehen, die der Unendlichkeit des Raumes und der Zeit ein Maß geben: aber wir haben es hier mit bürgerlichen Ökonomen zu tun, für die die Rente „ewig" ist und die zu berücksichtigenden Jahre unendlich sind.
Also addiere ich: 1 Lira, plus 0,95 Lira, plus plus plus... 0,61... plus 0,38, plus plus plus... Ich weiß, die Länge dieses Zahlen„fadens" flößt Respekt ein, und trotzdem würden alle „plus" nicht in unsere Rubrik passen. Die Summanden werden immer kleiner, aber ein Ende ist nicht in Sicht. Das Wort Integration mit seinem „style amphigourique" (was „amphigourique" heißt? hier bietet sich die Gelegenheit, es zu erklären18) bedeutet nichts anderes als Addition. Da wir nicht bis zum Ende der Zahlenreihe vordringen, stärke ich euch mit einer anderen kleinen Geschichte. Am Verbannungsort Ponza bestritt ein guter, noch immer aktiver Genosse, dass die Addition einer unendlichen Reihe von Termen eine endliche Summe ergibt; als Gegenbeweis wurde vergeblich der Philosoph Zenon mit seinem Wettlauf zwischen Achilles und der Schildkröte bemüht, doch für ihn holte Achilles die Schildkröte niemals ein.19
Nun gut, die Summe beträgt genau 20 Lire. Wenn wir den heutigen Werteausdruck einer unendlichen Reihe zukünftiger konstanter Renten mit einem Zinsfuß von 5% integrieren, haben wir ein Kapital, das 20-mal die Rente ausmacht. Nachdem das Fadenende gefunden ist, ist die Formel leicht zu verstehen und jedem kleinen Halsabschneider bekannt. Man findet das Kapital, indem die Rente durch den Zinsfuß dividiert wird. Eine Lira geteilt durch 5 Centesimi gleich 20. Schwierig? 20 mal 5 Centesimi in einer Lira.
Um 365 Lire im Jahr zu beziehen, müsste das Dienstmädchen 7300 Lire gespart oder aus einer Mine einen Goldklumpen von 2 kg, das Gramm zu 3,65 Lire, gebrochen haben.
Letzten Endes ist Petty gar nicht so dumm. Und auch nicht langweilig.
Quellen:„Stregoneria della rendita fondiaria": Il programma comunista, Nr. 22, Dezember 1953. * * *MEW 26.1: Marx - Theorien über den Mehrwert I, 1862-63 Zweites Kapitel: Die Physiokraten; Drittes Kapitel: A. Smith; Beilagen: Petty.
1 Das italienische Wort „baratto" bedeutet nicht nur Tauschhandel, sondern hat daneben auch den alten Beiklang von Betrug, Bestechlichkeit, Käuflichkeit, Ämterschacher. 2 Joule: englischer Physiker, der 1842 „den Umschlag von Wärme in mechanische Kraft und von mechanischer Kraft in Wärme" nachwies. „Hiermit waren die besondren physikalischen Kräfte, sozusagen die unveränderlichen ‚Arten' der Physik, in verschieden differenzierte und nach bestimmten Gesetzen ineinander übergehende Bewegungsformen der Materie aufgelöst" (Engels: „Dialektik der Natur": MEW 20, S. 318). 3 „warenproduzierend" oder marktwirtschaftlich - so übersetzen wir zumeist das italienische „mercantile", um eine Verwechslung zwischen der ersten theoretischen Behandlung der modernen Produktionsweise (des Merkantilsystems, das vom Handelskapital, der ersten freien Existenzweise des Kapitals, ausging, und sich so notwendig in der bloßen Zirkulationssphäre bewegte) und seiner vollen Entfaltung zu vermeiden. 4 Oreste Bordiga: Trattato di economia rurale, 1926; zitiert in: Proprietà e capitale (Eigentum und Kapital); Prometeo: Nr. 10-14, 1948-50.
5 „Im römischen Recht ist der Sklave (...) richtig bestimmt als einer, der nicht für sich durch den Austausch erwerben kann (...). Es ist daher ebenso klar, dass dies Recht, obgleich es einem Gesellschaftszustand entspricht, in welchem keineswegs der Austausch entwickelt war, doch, insofern er in bestimmtem Kreise entwickelt war, die Bestimmungen der juristischen Person, eben des Individuums des Austauschs, entwickeln konnte und so das Recht (...) für die industrielle Gesellschaft antizipieren, vor allem aber dem Mittelalter gegenüber als das Recht der aufkommenden bürgerlichen Gesellschaft geltend gemacht werden musste. Seine Entwicklung selbst fällt aber auch vollständig mit der Auflösung des römischen Gemeinwesens zusammen" [MEW 42, S. 17]. 6 „Und was in den Besitz der Kirche gelangte, blieb in ihrem Besitz, denn das Kanonische Recht verbietet jederlei Verkauf von Kirchengut: Vermögen besitzende öffentliche Körperschaften oder Stiftungen von unbegrenzter Dauer, vor allem aber Kirchen und Klöster, werden zu Recht als ‚Tote Hand' bezeichnet, denn was sie einmal haben, ist für die Allgemeinheit sozusagen ‚abgestorben'; diese Vermögen sind nicht nur der Veräußerung, sondern auch der Erbteilung und der Nachlassbesteuerung entzogen." Antal Sorba: Die große Schröpfung, 1970, S. 66/67.
7 Diese Mönchsorden, die die Grundrente einstreichen, dürfen nicht mit den frühmittelalterlichen Orden (z.B. den Benediktinerorden) verwechselt werden, die gemeinschaftlich organisiert waren und sich auf unkultiviertem Boden ansiedelten, um ihn zu roden.
8 Anspielung auf die von den stalinistischen Parteien verbreitete These, dass in der Landwirtschaft der kapitalistisch entwickelten Länder der Feudalismus noch in der Form des Großeigentums vorherrschen würde. 9 Oreste Bordiga: Trattato di economia rurale, 1926; zitiert in: Proprietà e capitale (Eigentum und Kapital); Prometeo: Nr. 10-14, 1948-50.
10 Das Latifundium ist also das in kleine Landbetriebe geteilte Großeigentum. „Die heutige bürgerliche Epoche lässt in großem Umfang zahlreiche verschiedene Formen des Agrareigentums weiter bestehen. Sie haben mit dem Großbetrieb die räumliche Ausdehnung und die rechtliche Verfügung eines einzigen Eigentümers gemeinsam, obwohl ihnen alle Charakteristiken des Großbetriebs als Produktionseinheit fehlen. Was die technische Entwicklung ihrer Produktionsmittel und Ressourcen angeht, so haben sie in der Tat alle Charakteristiken des Kleinbetriebs" [„La questione agraria"; Il Comunista, Nr. 35, 1921]. 11 Für Marx ist das Entscheidende der Produktionsprozess, der Verwertungsprozess und die Bildung von Mehrwert, denn das direkte Verhältnis der verschiedenen Bestandteile des Kapitals zur lebendigen Arbeit entspringt aus dem unmittelbaren Produktionsprozess (nicht den Phänomenen des Zirkulationsprozesses) und ist das Verhältnis von konstantem und variablen Kapital. Das konstante Kapital unterteilt sich in einen zirkulierenden Teil (Rohstoffe etc.), das ganz in den Wert des Produkts eingeht, und einen fixen Teil (Maschinen, Gebäude etc.), der nur nach Maßgabe des Verschleißes in den Produktenwert eingeht. Für die bürgerliche Ökonomie ist seit A. Smith das Wesentliche und Unterscheidende im Produktionsprozess der Gegensatz zwischen zirkulierendem und fixem Kapital. Dem Kapitalisten drängt sich innerhalb seines Kapitals nur dieser Unterschied auf, wobei zum zirkulierenden Kapital für ihn nicht nur Rohstoffe etc. zählen, sondern auch die Löhne, die er vorschießen muss und für ihn Ausgaben darstellen. 12 Die Verteidigung des Kleineigentums steht im Programm aller stalinistischen Parteien.
13 „Elementi dell'economia marxista" (Grundzüge der marxistischen Wirtschaftslehre) 1929 geschrieben, ist eine Darstellung des „Kapitals" I. Die zwei weiteren, vorgesehenen Hefte kamen nicht zustande.
14 Pandekten (grch.) [„alles enthaltend"] oder Digesten (lat.); Hauptteil des römischen Zivilrechts („Corpus juris civilis"). Die Pandekten waren eine Zusammenstellung von Auszügen aus den Werken römischer Rechtsgelehrter, die den Interessen der Sklavenhalter entsprachen, Sie wurden im Auftrag des byzantinischen Kaisers Justinianus I. angefertigt und im Jahre 533 als Gesetz verkündet. 15 „Es ist also in der Tat bei Petty, da der Wert des Korns durch die in ihm enthaltene Arbeitszeit bestimmt ist, und die Rente gleich dem Gesamtprodukt minus dem Arbeitslohn und Saatgut, letztere gleich dem Mehrprodukt, worin sich die Mehrarbeit vergegenständlicht. Die Rente schließt hier den Profit ein; er ist noch nicht getrennt von der Rente" [MEW 26.1, S. 333]. 16 Da Petty vor dem Problem steht, eine „unendliche Anzahl" zu einer endlichen Summe zu berechnen, behilft er sich damit, sich für eine „etwas beschränkte Zahl zu entscheiden". „Ein Mensch" (nach Petty) „hat nur Interesse, so viele Jahresrenten zu kaufen, als er Jahre für sich und seine Nachkommenschaft zu ‚sorgen' hat; also so lange, als ein Durchschnittsmensch, Großvater, Vater und Kind, lebt, und dies sind 21 Jahre nach ‚englischer' Schätzung. Also, was jenseits 21jährigem ‚usus fructus' liegt, hat keinen Wert für ihn. Er bezahlt daher den usus fructus von 21 Jahren, und dies bildet den Wert des Landes" [MEW 26.1, S. 335].
17 Voronoff war ein russischer Physiologe, der zu Lebzeiten Stalins berühmt wurde; offiziell anerkannt wurden auch seine „Verjüngungs"versuche, bei denen er Affenhoden transplantierte. Da der Organismus nach einer kurzfristigen „Verjüngung" doppelt so schnell verfiel, wurden die Versuche aufgegeben. 18 Style amphigourique (frz.): geschraubter, gewundener Stil.
19 Zenon von Elea (* um 490, † um 430 v.u.Z.), griechischer Philosoph. Er war Freund und Schüler des Parmenides von Elea und wird unter die Vorsokratiker eingeordnet. Er sah seine Hauptaufgabe darin, die Lehre des Parmenides („Es gibt nur das Unendlich Eine und alle Bewegung ist nur Illusion") gegen kritische Einwände zu verteidigen. So wird er von Aristoteles als Erfinder der Kunst zu argumentieren, die Aristoteles selbst Dialektik nennt, bezeichnet. Zenon beschäftigte sich vor allem mit dem Problem des Kontinuums, insbesondere dem Verhältnis von Raum, Zeit und Bewegung. Dies schlug sich in mindestens 10 Paradoxa nieder. Die bekanntesten sind das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte, die damit verwandten Paradoxa des Nicht-ans-Ziel-kommen-Könnens (Teilungs-paradoxon) und des Nicht-Weglaufen-Könnens sowie das Pfeil-Paradoxon. Z.B.: der fliegende Pfeil fliegt nicht, denn wie sollte er in einer begrenzten (endlichen) Zeit eine Strecke durchfliegen, die man doch beliebig oft (also: in unendlich viele Teile) zerlegen kann? Und: Wie ist es denkbar, dass aus einer Summe von Nichtgeräuschen ein Geräusch wird? Ein einzelnes Hirsekorn ist nicht durch das Gehör wahrnehmbar, wohl aber ein Sack fallender Hirse, der doch nur die Summe dieser Einzelkörner ist. Und: Das langsamste Wesen, die Schildkröte, wird in seinem Lauf niemals von dem schnellsten, Achilles, eingeholt. Denn der Verfolger muss immer erst zu dem Punkt gelangen, von dem aus die Schildkröte, die ja einen Vorsprung hat, schon aufgebrochen ist. |
